In NRW bieten ausschließlich Grundschulen an nur drei von sechs Wochen eine Ferienbetreuung an. Die Freizeitgestaltung für Schüler*innen der weiterführenden Schulen ist ihren Familien und ihnen selbst überlassen. Unsere Erfahrung zeigt, dass das vor allem für die Fünft- und Sechstklässler eine ernstzunehmende Herausforderung ist. Abgesehen von Unterhaltungsmöglichkeiten und abwechslungsreicher Freizeit fehlen den Kindern soziale Kontakte zu Gleichaltrigen und nicht zuletzt ein strukturierter Tagesablauf.

 

Aufgrund der Coronavirus-Pandemie und den dadurch erzwungenen Schulschließungen hat die NRW-Landesregierung ergänzend zu dem übrigen Betreuungsangebot ein Förderprogramm zur Unterstützung von Kindern und Familien aufgelegt. Dieses sieht vor allem vor, dass die Schüler*innen der ersten bis achten Klasse einen Anspruch auf eine Ferienbetreuung an fünfzehn Werktagen täglich sechs Stunden haben. Die Richtlinien wurden  jedoch erst kurz  vor den Sommerferien endgültig festgelegt, aufgrund dessen  viele Kommunen und Schulen diese Chance nicht nutzen konnten.

 

Wir lassen sehr ungern Chancen ungenutzt. Doch ein abwechslungsreiches, spannendes und zugleich sinnvolles Ferienprogramm innerhalb einer Woche aus dem Boden zu stampfen, war selbst für uns eine harte Nuss. Entscheidend für den Erfolg war die schnelle und zielgerichtete Zusammenarbeit zwischen der Wilhelm-von-Humboldt-Gesamtschule in Grevenbroich, der Stadtverwaltung und uns als Träger des Offenen Ganztages an der Gesamtschule. Dabei ist vor allem die tatkräftige Unterstützung der Schulleitung und des Lehrpersonals hervorzuheben, die von der Wichtigkeit einer Ferienbetreuung für die Schüler*innen von Anfang an überzeugt waren und sich stark engagiert haben.

Und so haben wir drei Wochen lang für 15 Schüler*innen der fünften und sechsten Klasse eine Ferienbetreuung angeboten und waren nämlich die einzigen in der Stadt, die es geschafft haben.

 

Ein erlebnisreiches Freizeit- und Bildungsangebot für Schüler*innen der weiterführenden Schulen zu schaffen, gehört grundsätzlich zu unseren mittelfristigen Zielen. Wir haben bereits ein spezielles Konzept entwickelt, das uns in Absprache mit den Schulen ermöglicht, den Betreuungsbedarf der Familien sowohl über die ganze Ferienzeit hinweg als auch wöchentlich zu decken. Daran konnten wir direkt anknüpfen und mussten so das Konzept nicht von Grund auf neu schreiben, sondern lediglich unser bestehendes flexibles Modell an die Richtlinien des Ministeriums und den Wünschen der Schule anpassen. Dank des breiten Netzes von flexiblen und zugleich sehr zuverlässigen und engagierten Kursleiter*innen konnten wir auch ganz schnell optimal passende Betreuer*innen für das Ferienprogramm finden.

 

Die inhaltliche Ausgestaltung war auch kein Leichtes.  Bei unseren Ferienprogrammen legen wir nämlich viel Wert auf abwechslungsreiche Aktivitäten, die möglichst viele Sinne der Schüler*innen ansprechen, Neugier wecken und motivieren, etwas Neues auszuprobieren. Die Ferienwochen sind eine wunderbare Möglichkeit, den Kindern zu zeigen, wie faszinierend und bunt die Welt ist, wenn man sich traut, auf eine Erkundungstour zu gehen. Also haben wir zusammen mit den Kindern getanzt und mit Acrylfarben gemalt, Kicker- sowie Tischtennisturniere durchgeführt und Kunstwerke aus Modelliermasse erschaffen. Auch wenn die Ferien unbeschwerte Tage voller Spaß sind, wurden auch ernsthafte Themen, wie die Umweltfreundlichkeit besprochen und aus den alten, zum Wegwerfen prädestinierten Gegenständen Meisterstücke gebastelt. Um für einen Tapetenwechsel zu sorgen, haben wir diverse Spielplätze und eine Minigolfanlage besucht, unsere Picknickkörbe gepackt und das gute Wetter auf der Apfelwiese im Stadtpark Grevenbroich genossen. Epische Wasserschlachten, mitreißende Völkerballspiele und mutige Parkourrouten im Salzburgerland Kletterpark Neuss - so viele schönen Momente, die man wie Perlen auf die Kette unserer Sommererinnerungen auffädeln kann.

 

Wir sind unglaublich froh und allen Beteiligten und Teilnehmern sehr dankbar, dass das Feriencamp so super funktioniert hat, auch wenn der Anfang der Ferienbetreuung unser Improvisationstalent gefordert hat. Durch die Begeisterung der Kinder, ihre Faszination und Leidenschaft, mit denen sie an allen Aktivitäten teilgenommen haben, haben alle unsere Anstrengungen mehr als belohnt. Wir hoffen, dass das Landesprogramm auch auf die Herbstferien ausgeweitet wird und das die Zweckmäßigkeit der Ferienbetreuung für die Schüler*innen der weiterführenden Schulen auch von den Entscheidungsträgern auf kommunaler und Landesebene erkannt wird.

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